Erfahrungsbericht eines Collegeexperten

Ich coache jetzt seit 21 Saisons in der CCEL (zuerst N Illinois (Tier 2), jetzt Purdue). Ich habe im Folgenden versucht meine Erfahrungen mit der College-Simulation als Hilfe für Einsteiger aufzuschreiben.


Roster Management

Der Schlüssel zum Erfolg beim College Football ist das Roster Management. Durch die Besonderheiten des College Sports ist es etwas komplexer als bei den Profi-Sportarten. Spieler bleiben im Allgemeinen zwischen 3 und 5 Jahren an einem College. 3 Jahre, wenn sie die Uni vorzeitig zu den Profis verlassen und bis zu fünf Jahre, wenn sie in ihrem ersten oder zweiten Jahr nicht zum Einsatz kamen (Redshirt). Ein Spieler steht also Maximal vier Jahre für sein Team auf dem Feld. Manche Spieler brauchen jedoch ihre ersten Jahre, um sich zu entwickeln und sind vielleicht erst in ihrem letzten Jahr bereit zu Starten. Deshalb stehen 65 Plätze auf dem Roster zur Verfügung. Anders als bei den Profis muss man als College-Coach das Roster nicht bloß im Hinblick auf die aktuelle Saison betrachten, sondern auch im Hinblick auf die nächsten Jahre. Das wird später beim Recruiting wichtig. Der Backup auf einer Position sollte also immer der Starter der Zukunft sein. Schwierig wird es wenn Schlüsselspieler das Team vorzeitig zu den Profis verlassen oder Spieler aus Unzufriedenheit über zu geringe Spielzeit zu einem anderen College wechseln. Eine gute Vorausplanung ist also essentiell für den Erfolg.


Saisonverlauf

1. Saisonstart und Walkons

Zum Saisonstart werden die so genannten „Walkons“ den Teams vom Programm zugeteilt. Walkons sind normal eingeschriebene Studenten, die sich um einen Platz im Football-Team bewerben. Durch die Addition der Walkons zum Team stellt das Programm außerdem sicher, dass das Team ein legales Roster hat (siehe Hilfe) und das Roster auf die maximale Größe von 65 Spielern aufgefüllt wird. Von diesem Zeitpunkt an muss bei jeder änderung am Roster darauf geachtet werden, dass die Mindestanzahl an Spielern auf jeder Position nicht unterschritten wird oder der Befehl wird vom Programm ignoriert. Nach meiner Erfahrung können unter den Walkons zukünftige Starter sein, aber auch totale Luschen, die man getrost gleich wieder vom Roster streichen kann. Die Walkons erleichtern oft den nächsten Schritt, das Recruiting, da sie den Bedarf auf einigen Positionen vielleicht schon abdecken. Und im Gegensatz zu Spielern, die über das Recruiting zu einem College kommen, verlangen sie kein Stipendium, sie sind ja schon eingeschrieben. Da die Stipendien begrenzt sind, eignen sich Walkons also auch gut dazu das Roster aufzufüllen. Walkons sind also eine Art Geschenk, für das man nichts weiter tun muss.

2. Inviting

Das Recruiting besteht aus zwei Phasen. Dem Inviting (Einladung) und dem Recruiting (Spieleranwerbung). Wie im richtigen College-Football entscheiden sich die Nachwuchsspieler im Laufe des Jahres dazu fünf Colleges mit einem offiziellen Besuch zu beglücken. Dazu müssen die Coaches sie einladen. In jeder Einladungsrunde können 90 Spieler eingeladen werden. Dies ist der wichtige erste Schritt des Recruiting neuer Spieler. Nur Spieler die einen offiziellen Besuch bei einem College machen können hinterher auch Rekrutiert werden. Dies ist also ein sehr kritischer Schritt hin zu einer erfolgreichen Recruiting-Season. Die Spieler entscheiden sich je nach Prestige und einer uns nicht bekannten persönlichen Neigung für fünf Colleges.

Die Spieler sind in Regionen eingeteilt (A-E). Jede Konferenz ist in einer Region angesiedelt. Spieler aus dieser Region wählen also bevorzugt eines der lokalen Colleges. Es gibt außerdem Spieler die keine regionale Präferenz haben. Diese Spieler wollen meist von einem anderen College wechseln, weil sie dort unzufrieden waren. Diese Veteranen können eventuell helfen eine schwäche auf einer Position schnell durch einen guten Spieler zu schließen. Sie sind aber meist schon Junior oder Senior und werden sich deshalb kaum noch entwickeln. Es ist möglich aus allen Regionen Spieler einzuladen, aber das kostet jeweils einen Recruiting-Punkt, da man als Coach eine größere Energie aufbringen muss diese Spieler zu beobachten. Es lohnt sich also nur für Spitzenspieler. Als Tier 3 Coach solltet ihr euch rein auf Spieler aus eurer Region konzentrieren. Zum einen haben wir nur wenige Recruiting-Punkte zur Verfügung und Andererseits ist die Chance gleich Null einen guten Spieler zu verpflichten. Wir können froh sein, wenn ein paar D und vielleicht einen C Spieler bekommen. Ladet lieber so viele Spieler wie möglich aus eurer Region ein und konzentriert euch auf die mittleren bis mäßigen Spieler, nicht die Stars, die gehen an ein Tier 1 College. Die mittleren gehen an ein Tier 2 Team, aber wenn ihr einen davon bekommt, kann das euer Star sein. Vielleicht lohnt es sich 1-2 Spieler aus dem Bereich No-region einzuladen. Ladet keinen aus einer anderen Region ein, dass hat selbst bei einem Tier 1 Team nur selten Erfolg.

Beeinflussen lässt sich die Entscheidung der Spieler durch die Optionen des Inviting-Befehls. Das Anbieten eines Stipendiums ist bei guten Spielern absolut notwendig! Wer hier zu sparsam mit den Stipendien umgeht wird nicht viele Kandidaten für einen Besuch begeistern können. Aber Vorsicht, die Stipendien sind begrenzt und ein Spieler mit einem Stipendium kann nicht gecuttet werden. Entwickelt sich der Spieler also nicht wie erwartet, muss er bis zum Ende des Studiums mit durchgeschleppt werden. Das ist sehr ärgerlich, denn er belegt einen Platz auf dem Roster und ein kostbares Stipendium. Aber zu wenige Stipendien-Angebote führen dazu, dass man am Ende vielleicht keinen der guten Spieler bekommt. Ich verteile reichlich Stipendien-Angebote. Ich biete bei Tier 1 etwa dreiviertel der Spieler ein Stipendium an. Wir starten auf Tier 3 (gab es noch nicht, als ich bei CCEL angefangen habe), wie es da ist, kann ich selber noch nicht genau sagen. Ich tippe aber es lohnt sich auch hier den meisten Spielern Stipendien anzubieten. Wichtig ist es Spielern Stipendien anzubieten, denen Tier 1 und 2 Team keine anbieten werden, weil sie für diese Teams zu schlecht sind. Diese Teams werden sie aber vielleicht trotzdem einladen. Stipendien sind begrenzt und nicht alle Plätze ohne Stipendien sind durch Walkons belegt. Ein paar der mäßigen Spieler gehen ohne Stipendium an gute Colleges. Diese Spieler gilt es durch das Angebot eines Stipendiums zu ködern, wobei sie zumindest so gut sein sollten, dass sie bei euch auch spielen werden. Das wird auch für mich spannend, das richtige Maß herauszufinden.

Die zweite Möglichkeit der Einflussnahme ist das Versprechen von Spielzeit (Starter-Position) für die nächste Saison und alle folgenden Saisons oder ab der übernächsten Saison und alle folgenden Saisons, die der Spieler an Deinem College verbringt. Mit dieser Option sollte man sehr sparsam umgehen. Entwickelt sich der Spieler nicht wie erwartet und erfüllst Du ihm nicht die versprochene Spielzeit wird er unzufrieden. Dadurch wird die Stimmung im Team schlecht und er wechselt am Ende der Saison das College. Vielleicht war das aber genau der Spieler, den Du eine Saison später gebraucht hättest. Ich benutze diese Option nur, wenn ich auf einer Position dringend einen Starter brauche oder ein Spieler so gut ist, dass ich ohne das Angebot von Spielzeit keine Chance hätte ihn zu bekommen. Beim Inviting geht es ja darum Interessanter zu sein als all die vielen anderen Colleges. Ich habe dadurch einige gute Spieler verpflichten können, hatte aber auch schon oft ärger, weil sich ein Spieler verschlechtert hat und ich ihn nicht einsetzen konnte, wodurch die Stimmung in meinem Team schlecht war, was nicht gerade hilft Siege zu erringen. Außerdem sollte man aufpassen, wenn man schon anderen Spielern auf einer Position Spielzeit versprochen hat oder sie Spielzeit verlangen (Liste am Ende des Rosters). Schnell hat man sich verkalkuliert und einen Spieler zu viel, der Spielzeit verlangt.

Die dritte Option ist es schon jetzt einen Recruiting-Punk auf einen Spieler zu verwenden. Das entspricht einer besonderen Aufmerksamkeit deines Trainerstabes diesem Spieler gegenüber. Also im richtigen College-Sport würdest Du als Head-Coach vielleicht während der Saison zu einem Spiel des Spielers fahren. Das kostet natürlich Zeit, was eben diesem Recruiting-Punkt entspricht. Ich benutze diese Option meist zusammen mit dem Versprechen von Spielzeit. Da wir als Coaches eines Tier 3 Teams nur wenige Punkte zur Verfügung haben werden, würde ich hiervon nur geringen Gebrauch machen. Beim richtigen Spieler eingesetzt könnte es aber den nötigen Ausschlag geben, dass er dein College besucht. Oder das er dein College höher in seiner persönlichen Rangliste einstuft.

Nach der Inviting-Runde sucht das Programm für jeden Spieler bis zu fünf Colleges aus, die er besucht. Außerdem wird jedem der fünf Colleges eine Bewertung des Spielers gegeben. Wie bei den Recruiting-Experten üblich reicht diese Skala von 5 (hohes Interesse) bis 1 (geringes Interesse).

3. Recruiting

Es haben sich also ein paar Spieler entschieden dein College zu besuchen? Gut, denn nun kommt der zweite Teil. War deine Inviting-Strategie richtig, dann hast du die Auswahl zwischen einigen Spielern für die offenen Positionen. Hast du zu hoch gepokert bleiben vielleicht einige Positionen unbesetzt und du musst es in der zweiten Runde noch mal probieren, wobei dann die besten Spieler schon weg sind. Mehr als 50 Spieler ist sensationell, mehr als 40 gut, mehr als 30 ausreichend und weniger als 30, tja, zu hoch gepokert. Dies gilt zumindest für Tier 1 Teams. Bei einem Tier 3 Team ist vielleicht 20 Spieler schon sensationell, wenn das alles brauchbare Spieler sind. Wie gesagt, ich habe damals mit Tier 2 angefangen.

Bei der Recruiting Runde gilt es sich nun den Spieler, der Interesse gezeigt hat zu sichern. Es können nur Spieler rekrutiert werden, die auch dein College besucht haben. Anfänger versuchen oft andere Spieler zu rekrutieren, das geht nicht. Vergisst du die Inviting Runde, dann musst du leider auch jetzt passen. Die Inviting Runde ist also vielleicht noch wichtiger als die Recruiting Runde, denn was du bei der Inviting Runde verpasst, ist jetzt nicht mehr auszugleichen.

Es gibt sicher verschiedene Wege die Spieler einzuteilen. Ich stelle immer Gruppen für jeden Platz zusammen, den ich auf meinem Roster besetzen möchte. Ihr könnt aber auch mehrere Spieler aus einer Gruppe auswählen lassen. Den genauen Befehl und die Erklärung dazu gibt es in der Hilfe. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht die Spieler möglichst in alle Gruppen aufzunehmen. Also wählt quasi alle Spieler aus und setzt die Priorität jeweils anders. So könnt ihr zumindest sicherstellen, dass kein Platz auf dem Roster unbesetzt bleibt, denn in der zweiten Runde gibt es nur noch die Reste. Nur in der ersten Runde gibt es die guten Spieler. Aber aufpassen, dass ihr nicht eine Position unbesetzt lasst oder zu viele Spieler mit Spielzeitversprechen verpflichtet werden. Diese Spieler vielleicht nur in eine Gruppe aufnehmen.

Habt ihr einem Spieler beim Inviting ein Stipendium oder Spielzeit versprochen, dann müsst ihr das Versprechen auch hier halten. Also diese Option jeweils wieder angeben. Habt ihr den gewünschten Spieler nicht bekommen, dann könnt ihr jetzt eurer zweiten Wahl Stipendien und/oder Spielzeit anbieten. Mehr ist also möglich, weniger nicht. Das wichtigste Instrument sind aber die Recruiting-Punkte. Zehn Punkte können in etwa einen Punkt bei der Präferenz des Spielers ausgleichen. Es gilt also sich die Gegner (die anderen Colleges) anzusehen. Wie groß ist deren Interesse an dem Spieler? Wie viele Punkte haben sie zur Verfügung? Wie sehr tendiert der Spieler zu meinem oder den anderen Colleges? Danach gilt es zu entscheiden, wie viele Punkte man für welchen Spieler einsetzt, um ihn entweder vor den anderen Coaches abzusichern oder ihn von einem anderen Team abzuwerben. Die Recruiting Punkte geben also das Interesse an, das man entweder einem Spieler oder einer Position gibt. Man kann die Punkte nun auf jeden Spieler in einer Gruppe anwenden. Andy hat das vor ein paar Jahren geändert. Vorher gingen die Punkte zum Teil verloren, wenn der Spieler sich letztlich nicht für das eigene Team entschieden hat. Nun ist es aber so, dass die Punkte erhalten bleiben. Setzt also die Priorität darauf, welchen Spieler ihr für die Position am liebsten verpflichten möchtet, gebt aber allen Spielern die für diese Position ausgewählten Punkte. So sichert ihr euch den best möglichsten Spieler für diese Position.

Wollt ihr die Punkte lieber nur auf einzelne Spieler verteilen (mache ich nie), dann wird es etwas schwieriger. Entweder macht ihr eine extra Gruppe für diese Spieler, aber was ist, wenn ihr einen nicht bekommt, bleibt dann eine Position unbesetzt? Oder gebt die Punkte an den ersten einer jeweiligen Gruppe. Dann könntet Ihr Punkte verschenken, denn es ist nicht gesagt, dass ihr alle Spieler bekommt und die Punkte bleiben dann ungenutzt. Ihr könnt mehr Punkte auf die Spieler verteilen als euer Maximum, weil ihr damit rechnet, es werden nicht alle Spieler verpflichtet. Stellt aber sicher, dass ihr das Maximum in der ersten Zeile des Befehls richtig eingestellt habt. Es ist möglich mehr Punkte als euer Maximum insgesamt zu vergeben. Es besteht jedoch dann die Gefahr erwischt zu werden und für das Brechen der Recruiting-Regeln bestraft zu werden. Man hört das ja immer wieder, Stripbars, Mädchen, Autos, Geld, …

Da wir als Tier 3 Coaches nur wenige Punkte zur Verfügung haben werden lohn es sich die Punkte auf ein oder zwei Gruppen/Spieler zu konzentrieren. Also lieber klotzen statt kleckern. Wenn ihr schon mal das Glück habt einen guten Spieler auf eurem Campus zu haben und er viel von euch hält, dann lasst ihn nicht mehr weg. Zeigt ihm all die schönen Seiten des Campus und der Stadt, aber passt auf, dass er hinterher davon nichts seinen Eltern oder der Presse erzählt (siehe oben).

Ansonsten ist der Recruiting Befehl sehr ähnlich dem FA-Bids Befehl, nur das die Auswahl an Spielern vorher für jedes Team individuell festgelegt wurde.

Am Ende des Recruiting zeigt sich ob ein Coach erfolgreich war. Sind alle Positionen mit potentiellen Startern besetzt? Sind auch für die nächsten Jahre genug potentielle Starter vorhanden? Das Recruiting richtet sich natürlich auch nach der eigenen Coaching Strategie. Ein Laufteam wird mehr Wert auf einen guten TB und eine gute Line für den Lauf setzen. Das Team wird nie nur aus Stars bestehen. Außer vielleicht bei den Top5 Teams. Entweder versucht ihr die Spieler für eure Taktik zu rekrutieren, was auf Dauer weniger Arbeit ist, oder ihr versucht die best möglichen Spieler zu bekommen und passt die Taktik jeweils an.

4. Trainig Camp

Leider zeigt sich erst jetzt wirklich, ob ihr erfolgreich wart. Bei einem Freshman besteht immer die Gefahr, dass seine Werte nach unten gehen. Dann wird aus einem Spieler mit Stammplatzversprechen plötzlich ein Problem. Vielleicht habt ihr noch Glück und ein anderer Spieler entwickelt sich besser als erwartet. Dann habt ihr „nur“ eine schlechte Moral im Team. War der heiß umworbene Highshool-Star aber eure einzige Alternative auf dieser Position, dann müsst ihr eben mit dieser Schwäche zumindest bis zur nächsten Saison leben.

Nach dem Camp solltet ihr entscheiden, welche Freshman und Sophmore ihr nicht einsetzen werdet und diese Redshirten. Es lohnt sich vielleicht so einigen Spielern noch ein Jahr mehr zur Entwicklung zu geben und sie ein Jahr länger bei euch zu halten. Ich Redshirte normalerweise alle Spieler, die nicht Starter oder 1. Backup sind. Keine Angst, bei Verletzungen könnt ihr diese Einstellung jederzeit ändern. Nicht wie bei der Trainings Squad bei den Profis. Bei Spielern, die sich nicht so gut entwickelt haben, stellt sich die Frage, ob es nicht besser ist, ihnen die Chance auf ein weiteres Jahr nicht zu geben, damit man sie schneller wieder los ist. Das Redshirten per Befehl stellt sicher, dass keiner der Spieler aus versehen bei einem hohen Sieg oder einer hohen Niederlage doch eingesetzt wird. Alle Spieler, die während der ganzen Saison keinen Spielzug auf dem Feld gestanden haben werden am Ende der Saison auch automatisch ge-Redshirted. Ihn ans Ende des Depth Chart auf einer Position zu setzen heißt noch nicht, dass er nie zum Einsatz kommt. Ein Spielzeug reicht und die Saison ist für den Spieler verloren.

5. Erster Spieltag

Nach den Camps geht die Saison sofort los. Es gibt keine Preseason. Also nicht viel Zeit für Experimente. Die einzige Möglichkeit seine Taktik und Spieler zu testen sind Scrimmages. Bei CCEL haben wir 15 vor den Trainig-Camps zur Verfügung. Ich weis nicht, wie MJ das lösen wird. Ansonsten ist das einstellen der Taktik wie bei den Profis (siehe dort bei den Hilfen). Man kann vielleicht etwas unkonventioneller zu Werke gehen. Ich habe schon öfters einen Option-QB eingesetzt. Letztlich erfolgreich sind aber meist die gleichen Taktiken wie bei den Profis. Nur das hier die Schwächen des Team vielleicht etwas größer sind und es mehr Geschick bedarf diese zu verbergen.

Bei der Einstellung des Depth-Chart ist es wichtig zu beachten, dass Spieler mit Stammplatzgarantie oder solche, die dies aufgrund ihrer Spielstärke erwarten, auch einen Starterposten haben. Meiner Erfahrung nach reicht ein Backup Posten nicht aus. Selbst bei Einstellung eines hohen Einsatzes von Backups kann es zu Problemen kommen, weil der Starter meint zu wenig Spielzeit zu bekommen. Wie schon erwähnt, sind die Folgen Unzufriedenheit des Spielers, Unruhe im Team und die Abwanderung des Spielers zum Ende der Saison. Diese Zeilen am Ende der Teamseite vor den Ergebnissen sind also nicht zu unterschätzen. Es ist manchmal eine schwierige Entscheidung, wenn Du einen besseren Spieler nicht spielen lassen kannst, weil ein anderer Spieler Spielzeit verlangt. Nimmst du den besseren Spieler oder ist die Moral des Teams wichtiger? Eine schwierige Entscheidung.

6. Off-Season

Vor dem Start der neune Saison ergeben sich mehrer Option für deine Spieler. Deine Seniors werden fertig und graduieren. Herzlichen Glückwunsch! Einige Juniors, die eine Saison Redshirtman waren entschließen sich zu Graduieren, wenn Du ihnen kein Stipendium gibst. Handelt es sich um einen deiner Starter für das nächste Jahr, wäre es gut dies nicht zu versäumen. Sonst ist der Spieler zu Beginn der Saison weg! Das gleiche gilt für die Spieler, die das College wechseln werden, wenn Du ihnen kein Stipendium gibst. Dabei kann es sich durchaus auch um jüngere Spieler handeln. Hier ist die überlegung weitreichender. Meist sind es aber deine besseren Spieler, die sich ihr Stipendium verdient haben. Ich habe weniger als 10% dieser Spieler das Stipendium verweigert.

Weniger Wahl hast du bei den andren beiden Gruppen von Spielern. Am ärgerlichsten ist jene Gruppe von Spielern, die vorzeitig zu den Profis wechseln (diese undankbaren &%$#*&). Es gibt keine Möglichkeit für dich dies zu verhindern. Außer Erfolg und eine gute Moral im Team. Dein fest eingeplanter Superstar für die nächste Saison ist plötzlich weg. Ist mir diese Saison mit meinem QB passiert. Diese Situation meinte ich weiter oben beim Roster Managmant, wenn deine Planung plötzlich über den Haufen geworfen wird. Nun musst du vielleicht einen Starter für die nächste Saison finden, weil deine anderen Spieler noch nicht so weit sind. Oder du musst auf dieser Position mit einer Schwäche leben. Gut oder schlecht kann jene Gruppe von Spielern sein, die das College wegen zu wenig Spielzeit wechselt. Vielleicht wirst du so einen Spieler los, der sich nicht verbessert hat und sonst nur einen Rosterplatz und ein Stipendium blockiert. Oder du warst unvorsichtig und hast nicht beachtet, welchen Spielern du Spielzeit versprochen hast oder welche Spieler diese verlangt haben. Tja, nun ist es zu spät. Jetzt ist der Spieler weg. Dies kann durchaus ärgerlich sein, denn vielleicht sollte dieser Spieler in 1-2 Saisons dein Starter sein.

Eine weitere Option ist es vor der neuen Saison Spieler zu cutten, um Plätze auf dem Roster für zusätzliche Walkons frei zu machen. Da dein Roster zu Saisonbeginn immer auf 65 Spieler aufgestockt wird hast du so vielleicht eine bessere Chance einen guten Spieler „umsonst“ zu bekommen.

Viel Spaß in der neuen College-Liga!
Jens Eichler